Your legs are lying 🏊♂️🚴♂️🏃♂️
Your legs are lying.
You are fine. 1
Eine Woche vorher lag ich krank im Bett.
Erkältet, schlapp, mit mehr Zweifeln als Kraft.
Ein knappes Jahr Training, und jetzt diese Frage im Kopf:
Kann ich überhaupt starten?
Keine Ahnung.
Das Ziel schien plötzlich unerreichbar weit weg.
Ein bisschen Zweifel gehört dazu, glaube ich.
Aber dieses Mal war es viel.
Irgendwann habe ich aufgehört, an das Ziel zu denken.
Nur noch an den nächsten Schritt.
Alles geben, aber nichts erzwingen.
Bereit aufzuhören, wenn es nicht mehr geht.
Und so wurde aus dem großen Ziel eine Reihe kleiner Schritte.
Mal packen.
Mal hinfliegen.
Mal an die Startlinie stellen.
Mal schauen, wie es sich anfühlt.
Der Renntag beginnt, wie er immer beginnt.
Viel zu früh, nach einer Nacht, die nur halb Erholung war.
Alles zusammensuchen.
Ans Fahrrad, Flaschen anbringen, passender Druck auf die Reifen.
Danach zum Start.
Es ist noch dunkel, als ich hinunter in die Bucht laufe, an den Strand.
Mit jedem Schritt wächst die Spannung.
Der Ironman-Sprecher hält seine Rede, wie in den Videos.
Über die Reise, die jeden von uns hierhergebracht hat.
Über die Familie, über die Freunde, die uns auf dieser Reise begleitet haben.
Und in diesem Moment steigt die Sonne über dem Meer auf.
Goldenes Licht.
Ich denke zurück an die vielen Kilometer,
im Wasser, auf dem Rad, laufend.
An die Abende und Morgen, an denen ich mich aufgerafft habe für noch eine Einheit.
An die guten Einheiten, die einfach liefen.
An die schweren.
An den Zweifel.
An die Momente, in denen nichts lief und alles zu viel schien.
Und daran, dass ich hier stehe,
weil ich nicht aufgegeben habe.
Gänsehaut.
Ab ins Wasser.
Das Meer ist groß und weit und an diesem Morgen fast gnädig.
Kein Gedränge, keine Welle, nur Zug um Zug.
Ich bin schneller als geplant.
Raus, Neo aus, aufs Rad.
Die Küstenstraße empfängt mich mit Windböen, die am Lenker zerren.
Aufliegen? Kaum möglich.
Vor mir türmen sich dunkle Wolken, und ich denke nur: Bitte nicht.
Sie bleiben, wo sie sind.
Stattdessen kommt die Abbiegung, und mit ihr die Steigung.
Ich wusste, dass sie kommt.
Ich mache langsam, ganz bewusst.
Die Beine schaffen das, der Kopf hat mehr zu kämpfen.
Oben eine Runde auf der Formel-1-Strecke.
Perfekter Asphalt, aber auch hier der Wind.
Auf dem Weg hinaus ein Schlagloch.
Ein Schlag, ein Schockmoment, und hinter mir fliegt die Flasche aus ihrem Halter.
In ihr stecken zwei Drittel meiner Carbs.
Energie für fast zwei Stunden auf dem Rad.
Blitzschnell ist klar: Die brauche ich.
Vollbremsung. Zurück. Aufheben. Weiter.
Die nächsten 60 Kilometer nach Lissabon und zurück rollen gut, auch dank dieser Flasche.
Hier wäre vermutlich noch etwas zu holen gewesen.
Aber ich wollte etwas in den Beinen behalten für das, was noch kommt.
Es war die richtige Entscheidung, wie sich zeigen sollte.
Rad weg, Laufschuhe an.
Die erste Runde läuft leicht, flüssig, schnell.
Beim Laufen fühle ich mich sicher.
Ich weiß, wie sich ein Halbmarathon anfühlt.
Ich weiß, dass ich das kann.
Bis sich mein Magen meldet.
Wir schließen einen Deal: Ich gebe ihm keinen Zucker mehr, und er behält dafür, was schon drin ist.
Es wird wärmer.
Die zweiten zehn Kilometer ziehen sich, jede Steigung wird zur Verhandlung.
Aufhören?
Der Gedanke ist da.
Aber ein bisschen geht noch.
Also der nächste Schritt. Der nächste Kilometer. Und noch einer.
Und da ist die Landschaft.
Da sind die Menschen am Rand, die meinen Namen rufen, als würden sie mich kennen.
Da sind die Schilder, eines lustiger als das andere.
Und da sind mein Bruder und seine Freundin, die immer wieder auftauchen, genau dann, wenn ich sie brauche.
Und fast überraschend: die Abbiegung in den Zielkanal.
5:47.
Mein Name auf der Tafel. 🥰
Vor einer Woche schien das alles unerreichbar.
Am Samstag lag es hinter mir.
Nicht in einem großen Sprung,
sondern Schritt für Schritt.
Und nie ganz allein.
Danke an alle, die diesen Weg mitgegangen sind.
Am Streckenrand, am Telefon, in Gedanken.
My legs were lying.
I was fine.
-
ein Schild am Streckenrand in Cascais ↩︎